Diagnostik bei Transplantationspatienten

Diagnostik bei Transplantationspatienten

Abstoßungsreaktionen

Die Bewertung der Transplantabstoßung erfolgt nach den internationalen Richtlinien der ISLHT 15 mit Beurteilung der zellulären und Antikörper-vermittelten Abstoßungsreaktion. Zusätzlich führt das IKDT eine Charakterisierung der Mikrovaskulopathie und immer gleichzeitig die immunhistochemische Entzündungsdiagnostik zum detaillierten Nachweis entzündlicher Infiltrate (Lymphozyten, Makrophagen, zytotoxischen Zellen, Adhäsionmoleküle) durch. Die einzige Technik, die eine detailgenaue Unterscheidung dieser verschiedenen Abstoßungsformen erlaubt, ist die Herzmuskelbiopsie. Sie ist auch heute noch der Goldstandard für die Feststellung von Abstoßungsreaktionen und wird entsprechend den Vorgaben der Fachgesellschaften eingesetzt.

Zelluläre Abstoßung

Die zelluläre Abstoßung ist durch das vermehrte Auftreten von Entzündungszellen (Lymphozyten, weiße Blutzellen) im Herzmuskelgewebe gekennzeichnet. Je nach Schweregrad der Abstoßung treten diese Entzündungszellen ungeordnet oder als „Haufen“ auf und sind mit bestimmten Gewebereaktionen verbunden. Dazu gehören eine Schwellung der Herzmuskelzellen, Blutungen oder auch Zelluntergänge, die mit einer eingeschränkten Herzfunktion, Herzstolpern, Luftnot oder einem allgemeinen Krankheitsgefühl des Patienten einhergehen können.

Antikörper-vermittelte Abstoßung

Die antikörper-vermittelte Abstoßung ist dadurch gekennzeichnet, dass sich körpereigene Botenstoffe (z.B. Komplementfaktoren) in Form von Eiweißen in den kleinen und kleinsten Gefäßen des Herzmuskelgewebes ablagern. Diese lösen dort eine Abwehrreaktion des Körpers aus.

Mikrovaskulopathie/Stenose

Eine weitere Möglichkeit zur Charakterisierung eines vorliegenden Abstoßungsprozesses ist die Beurteilung einer Vaskulopathie der kleinen Gefäße. Hierbei wird in einer gesonderten Bewertung das Verhältnis zwischen Lumenradius und der Wandstärke der Gefäße sowie das Verhältnis vom Durchmesser der Endothelzellen zur Dicke des Endotheliums analysiert.

Intramyokardiale Entzündung und Quilty-Phänomen

Auch wenn die Richtlinien getreue Klassifikation keinen oder nur eine geringen Grad (ISHLT 0-1) der Abstoßung ergibt, findet sich oft parallel eine teils massive Infiltration von Entzündungszellen, die eine Ursache für eine klinische Verschlechterung des Patienten sein könnte. Ein diesbezüglicher Befund ermöglicht der Transplantationsklinik eine kurzzeitige therapeutische Intervention zur Reduktion der Entzündungszellen, zusätzlich zur Standardmedikation für Transplantierte.

Neben dem oben beschriebenen Entzündungsgeschehen gibt es eine Ansammlung von Entzündungszellen, ausschließlich in der innersten Schicht des Herzmuskels, das Quilty-Phänomen. Während dies früher als Nebeneffekt der Immunsuppression angenommen wurde, wird dieser Befund heute als eine mögliche Vorstufe der zellulären Abstoßung diskutiert.

15 Berry et al., Journal Heart and Lung Transplantation 2013