Virologie

Die meisten Myokarditiden bzw. entzündlichen Herzmuskelerkrankungen sind wahrscheinlich primär durch virale Erreger hervorgerufen worden, auch wenn diese Erreger im späteren Verlauf der Erkrankung häufig nicht mehr nachweisbar sind. Die am häufigsten nachweisbaren kardiotropen Viren in unseren Breitengraden sind:

  • das Parvovirus B19 (B19V),
  • das humane Herpesvirus (HHV6),
  • das Epstein Barr Virus  (EBV)
  • das Coxsackievirus und
  • das Adenovirus.

Die molekulare Virusdiagnostik ist aber nicht nur auf den reinen Nachweis (qualitativ) erregerspezifischer Nukleinsäuren beschränkt, sondern beinhaltet auch die Quantifizierung der Viruslast (quantitativ) mittels Realtime-PCR, die Sequenzierung der erhaltenen Genprodukte zur Bestimmung des Virussubtyps und die Bestimmung der aktiven Virusreplikation.

Der direkte Nachweis von kardiotropen Viren im Myokard erfolgt durch PCR-basierte Verfahren. Hierfür wird die DNA bzw. die RNA aus Biopsien oder peripheren Blutzellen isoliert. Die Quantifizierung aller Virusgenome wird mittels (reverse transcription) realtime-PCR (TaqMan, Fa. Applied Biosystems) zur Bestimmung der Viruslast in myokardialem Gewebe und zum Monitoring antiviraler Therapie durchgeführt. Zusätzlich erfolgen eine Bestimmung und Quantifizierung der aktiven Virusreplikation je nach Virustyp. Somit ist eine differentielle Behandlung möglich.

Die Sequenzierung der Virusfragmente erfolgt zur Subtyp-Bestimmung und Erkennung diverser Varianten und kann für eine Subtypen-spezifische Therapie der viral-induzierten Kardiomyopathie genutzt werden.

Nachweis von viralen RNA-Transkripten als ein Zeichen für virale Aktivität

Der Nachweis von Virusgenomen oder einer hohen Viruslast in EMBs (Erythrovirus B19V, ciHHV-6) ist nicht prädiktiv für den klinischen Verlauf des Patienten. Im Gegensatz dazu ist das Vorhandensein von viralen RNA-Transkripten ein Zeichen für virale Aktivität und eignet sich für die Primärdiagnose und Überwachung der angewandten Therapie. Bei 15-20 % aller Parvovirus B19-positiven Patienten ist eine aktive Virusreplikation durch Messung von viraler RNA (VP1/2 und NS1 Transkripte) im Herzen nachweisbar. Transkriptionell aktives Parvovirus B19 im Myokard ist mit einer höheren Rate an Angina pectoris, Müdigkeitssyndrom oder Dyspnoe verbunden. Die klinischen Symptome dieser Patienten bessern sich häufig kurz nach der antiviralen Behandlung mit Virusreplikationsinhibitoren. Neue experimentelle und klinische Untersuchungen zeigen, dass der Nachweis der aktiven Virusreplikation bei dem zur Zeit am häufigsten vorkommenden Virus (B19V)  von erheblicher klinischer und prognostischer Bedeutung ist. Hiermit wurde die Annahme widerlegt, dass der Nachweis des B19V im Myokard prinzipiell keine prognostische Bedeutung hat.

Insbesondere mit Hinblick auf die zu treffende  Therapieentscheidung sind diese aktuellen Erkenntnisse bezüglich der aktiven Virusreplikation essentiell, da z.B. die B19V- Infektion häufig mit einer Begleitentzündung einhergeht. Bei dem Nachweis einer aktiven Virusreplikation ist aber eine immunsuppressive Therapie absolut kontraindiziert. Hieraus ergibt sich, dass eine kausale Therapieentscheidung  bei dem Nachweis einer B19V Infektion mit gleichzeitig nachgewiesener intramyokardialer Entzündung nur gefällt werden kann, wenn vor Therapiebeginn abgeklärt wurde, ob eine  aktive Virusreplikation vorliegt oder nicht. Liegt eine aktive Virusreplikation vor, muss der Patient antiviral mit Interferon-ß therapiert.

Die Entwicklung spezifischer und kausaler Therapieoptionen, die durch EMB-basierte   pathophysiologische Mechanismen begründet sind, haben zu einer signifikanten Verbesserung der klinischen Verläufe und damit der Prognose dieser viral bedingten Herzmuskelerkrankungen geführt. Es sei noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine exakte Diagnose nur durch EMB-Analysen möglich ist.

Angebotene routinemäßige Virusdiagnostik
  • Adenovirus
  • Coxsackie Virus
  • Epstein-Barr Virus
  • Erythrovirus (Parvovirus B19) und seine Replikation
  • Humanes Herpesvirus 6
Zusätzliche Bestimmungen
  • Virusdiagnostik im peripheren Blut
  • Herpes Simplex Virus 1 / 2
  • Humanes Cytomegielovirus (HCMV; HHV-5)
  • Influenza A und B
  • SARS-CoV-2-Nachweis in der Biopsie
Molekulare Diagnostik von HHV6-Infektionen

Virologische Untersuchungen von Herzmuskelbiopsien zeigen eine Nachweisrate von Humanem Herpesvirus-6 (HHV6) in bis zu 20 % der untersuchten Patienten, wobei hier der Subtyp B dominiert. HHV6 ist damit, nach den Erythroviren, der häufigste nachgewiesene Erreger in Herzmuskelproben und gilt als kardiotropes Virus.
Das IKDT Institut Kardiale Diagnostik und Therapie GmbH ist eines der wenigen Laboratorien in Europa und weltweit, welche die Bestimmung von HHV6 in menschlichem Gewebe und im Vollblut durch die quantitative PCR (qPCR) als Routinediagnostik anbietet. Das Portfolio beinhaltet sowohl die Messung der HHV6 DNA-Viruslast, als auch die Bestimmung der transkriptionellen Aktivität bzw. Replikation des Virus durch Messung der viralen RNA nach reverser Transkription (RT) in cDNA.
Diese Untersuchungen dienen dem molekularen Nachweis einer aktiven, erst kürzlich eingetretenen HHV6-Infektion und der Bestimmung von chromosomal integriertem HHV6 (ciHHV6) . Sie können zur Abklärung für mehrere, mit diesem Virus assoziierten Erkrankungen, wie Drei-Tage-Fieber, Enzephalitiden, Krampfanfälle oder das chronisches Ermüdungssyndrom (Chronic Fatigue Syndrom, CFS) sinnvoll sein. Die Bestimmungen werden anhand von Vollblutproben durchgeführt.

 

 

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